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11.03.08

Ein Tag schulfrei – aber zur Ausnahme mal nicht wegen des Wetters. Wir hatten ein AYUSA-Treffen in Jefferson City (Missouris Hauptstadt) und alle Austauschschüler, die wollten, konnten daran teilnehmen. Ich bin ja eigentlich so gut wie jedes Wochenende in Jeff, aber eigentlich nur im Einkaufszentrum und Kino. Schon Freitagabend sollten wir anreisen, dann war eine Übernachtung geplant und dann volles Programm am Dienstag von halb 8 an. Allerdings fand Freitagnachmittag ein Mathewettbewerb in Viburnum für alle Schulen im Umkreis statt und meine Mathelehrerin Mrs. Starr wollte unbedingt, dass ich daran teilnehme. Wir Teilnehmer hatten alle schon ne halbe Stunde eher Schulschluss und sind mit nem Schulbus nach Viburnum gefahren. Genau 10 Minuten vor Beginn waren wir dort. Es gab 12 verschiedene Kategorien und vier Räumen, sodass in jedem Raum drei Wettbewerbe stattfanden, jeweils ne halbe Stunde mit 10 Minuten Pause dazwischen. Ich war in Trigonometrie und Taschenrechner. Eigentlich fahren die Lehrer auch mit dem Schulbus, sodass Schüler und Lehrer zusammen sind, aber da ich ja zu dem AYUSA-Treffen wollte, ist Mrs. Starr mit dem Auto hingefahren und sobald ich fertig war, hat sie mich nach Vienna gebracht. Dort hat Mom schon gewartet, die dann mein Chauffeur nach Jeff war … Mrs. Starr meinte, sie hätte mich auch den ganzen Weg gefahren, wenn mom keine Zeit gehabt hätte, das war echt nett. Jedenfalls sind alle anderen noch so ne Dreiviertelstunde nach dem Ende geblieben und dann war schon alles ausgewertet … Ich war natürlich nicht mehr da, aber Cole hat mir ne sms geschrieben, dass ich in Trig gewonnen und in Taschenrechner den 2. Platz hab =) Da hab ich jez sogar zwei Medaillen, die Jeane für mich nach Hause gebracht hat. Heute morgen wurde mir erzählt, dass es in dem Taschenrechnerteil 4 Leute mit gleicher Punktzahl gab, aber statt jedem ne Goldmedaille und die entsprechenden Punkte fürs Team zu geben, wurden Lose gezogen … Total dämlich! Denn Vienna hätte in der Gesamtwertung gewonnen, wenn Cole und mein Name als die ersten beiden gezogen worden wären, aber so sind wir nun offiziell zweiter und vierter Platz. Na egal, ist ja nun auch nicht der Weltuntergang … In Jeff haben wir uns dann mit Teri (der AYUSA-Frau) und den ganzen anderen Austauschschülern getroffen, die schon ihre Zimmer bezogen und den Nachmittag in der Einkaufsmeile verbracht hatten (egal, da bin ich ja eh ziemlich oft). Erst hab ich Angie getroffen und wir haben uns total gefreut uns wiederzusehen (das Mädel, was ich immer mal bei Cross Country Wettkämpfen und bei dem einen Basketballspiel getroffen hatte) und dann seh ich plötzlich Laurine, wir haben uns sooo gefreut uns wiederzusehen, das ging gar nicht! Laurine ist so ne Deutsche, die bis zu ihrem 6. Lebensjahr in Frankreich gelebt hat und so deutsch und französisch (und jetzt halt noch englisch) fließend spricht und wir kennen uns von den ersten drei Tagen in New York, dort hatten wir die ganze Zeit alles Mögliche zusammen gemacht. Es ist praktisch so: Es gibt eine Person von AYUSA, die für Missouri und noch ein paar andere Staaten ringsrum zuständig ist. Und dann ist dieses Gebiet noch mal in kleinere Bereiche eingeteilt, ich bin im „Südostmissouri“-Bereich und jeder Bereich hat noch mal eine AYUSA-Person („Local Manager“ genannt), bei uns ist das Teri, die jeden Austauschschüler in ihrem Gebiet persönlich kennt (Teri hat 30 Leute – zumindest hatte, bevor sie welche nach Hause schicken musste&hellip und ab und an mal ein Treffen veranstaltet. Teri ist auch unsere erste Ansprechperson, wenn wir Probleme mit unseren Gastfamilien haben oder was auch immer. Dieses Treffen jetzt in Jeff war für die Teri-Gruppe, also unseren Bereich, und außerdem den „Südwestmissouri“-Bereich, der einen anderen „Local  Manager“ hat. Und Laurine ist halt in diesem anderen Bereich, deshalb sehen wir uns nicht so besonders oft und das war schon ne tolle Überraschung. Insgesamt waren wir knapp 30 Leute.

Inzwischen redet keiner mehr in seiner Muttersprache … ein paar Leute waren in unserem Zimmer und sind dann nach und nach gegangen, am Ende waren wir 4 deutsche Mädels und niemand weiter, aber wir haben trotzdem englisch gesprochen, das ist so normal inzwischen. Samstag morgen gegen 6 mussten wir schon aufstehen (und hatten so nur bissl mehr als 4 Stunden Schlaf), denn um 7 gabs Frühstück und dann gings los. Zuerst sind wir zum Capitol, dem Regierungsgebäude von Missouri, und dort waren wir auch ne ganze Weile. Wir haben eine kleine Führung bekommen und dann mit den beiden Repräsentanten (2 der wichtigsten Politiker) von Missouri gesprochen. Um 10 sollte eine Sitzung stattfinden, so konnten wir noch schnell ein Gruppenphoto im Parlamentssaal schießen und dann kamen auch schon die ersten wichtigen Leute rein … Das war jedenfalls total anders, als ich mir es vorgestellt hätte … in Deutschland ist es doch eigentlich so, dass alle Abgeordneten in ihrem Stuhl sitzen, die wichtigsten Leute nacheinander nach vorne gehen und sprechen und dann auch immer mal über etwas abgestimmt wird … so hatte ich mir das eigentlich vorgestellt. So war es dann allerdings: Eine Glocke wird dreimal mit gewissen Zeitabständen geklingelt, damit die Abgeordneten wissen, dass demnächst die Sitzung startet. Eröffnet wird mit einem Gebet und „Pledge of Allegiance“ (Dafür drehen sich alle zur amerikanischen Flagge; früher (wie wir es auch eigentlich in English über Amerika gelernt hatten) wurde jeder Schultag mit „Pledge of Allegiance“ gestartet, aber inzwischen ist das nicht mehr so, selbst Teri war überrascht, dass die das in der Regierung noch so machen) und dann werden erstmal alle „Special Guests“ vorgestellt … war waren auch welche^^ das hat sich hingezogen, ich hab mich gefragt, ob die jeden Tag so viele speziellen Gäste haben … Eigentlich hört vielleicht die Hälfte aller Anwesenden zu. Die meisten laufen herum, unterhalten sich … es ist nich wie bei uns im Bundestag, sondern der Raum ist wie ein großer, rechteckiger Saal mit Tischen und jeder Politiker hat seinen eigenen Stuhl und Tisch. Nachdem wir vorgestellt worden waren (nicht jeder mit Namen, sondern als Gruppe natürlich) sind wir auf eine der Gästetribünen gegangen und haben uns das Ganze von oben angeschaut und ganz ehrlich, mich hat das ziemlich stark an einen Klassenraum mit unaufmerksamen Schülern erinnert … Wenige schauen nach vorn und passen auf, die meisten drehen sich um und quatschen mit ihrem Hintermann, sind nicht mal an ihrem eigenen Platz oder laufen in der Gegend herum. Und nicht unwesentlich viele schwänzen und sind gleich mal gar nicht da … Nachdem alle Gäste vorgestellt sind und es eigentlich richtig losgeht, werden alle Anwesenden ein weiteres Mal gebeten, sich an ihre Plätze zu begeben und ihre Gespräche im Flüsterton zu halten und dann sprechen verschiedene Leute über irgendwelche Themen, die halt besprochen werden müssen. Dazu gehen sie allerdings nicht nach vorn, sondern jeder hat ein Mikrophon an seinem Platz (Zwischendurch immer mal ein Aufruf für Aufmerksamkeit^^)

Rechts und links ganz vorne sind zwei große Tafeln, auf denen alle Namen der Politiker stehen. Außerdem hat jeder so einen kleinen Kasten mit drei farbigen Knöpfen auf seinem Tisch. Wenn nun über etwas Wichtiges abgestimmt werden muss, drückt jeder einen Knopf (Rot: Ja, Grün: Nein, Gelb: enthält sich) und sofort erscheint jeder Name in der jeweiligen Farbe, sodass immer gleich der Ausgang einer Abstimmung klar ist. Allerdings wird das scheinbar nur genutzt, wenn wirklich eine relevante Entscheidung getroffen werden muss, denn die Abstimmung, die wir gesehen haben, verlief folgendermaßen: „Alle, die dafür sind, rufen YEY!“ dann rufen ein paar Leute „YEY!“. „Alle, die dagegen sind, rufen NO!“ und eindeutig die Mehrheit ruft „NO!!!“ und damit war das Thema erledigt =) Nach einer halben Stunde haben wir den Saal dann allerdings verlassen, denn wir hatten ja noch ne Menge anderer Dinge zu tun. Unter anderem sind wir oben aufs Capitol gestiegen, da konnte man auch raus und hatte ne ziemlich gute Aussicht.

Einen Raum haben wir uns angeschaut, den fand ich kuhl. Ein Maler sollte die Wände so dekorieren, dass die Geschichte Missouris wiedergegeben wird und Dinge, die halt typisch für Missouri sind. Auf der gegenüberliegenden Seite der Tür sind riesige Fenster (Die Räume sind alle sehr hoch) und dazwischen nur Bilder von Kraftwerktürmen und Maispflanzen: Industrie und Landwirtschaft als Missouris wichtigste Wirtschaftsbranchen. Die anderen drei Wände gehören zusammen. Es ist wie ein langes Bild und trotzdem gibt es die Geschichte vom Beginn des Staates bis heute wieder: Sklavenhandel, Civil War (Bürgerkrieg zur Abschaffung von Sklaven), Great Depression (Weltwirtschaftskrise) … Als der Maler das fertig hatte, gefiel das den Leuten gar nicht und sie wollten es fast übermalen (für eine Zeit lang war es zumindest wirklich abgedeckt), denn eigentlich hatten sie ein Gemälde erwartet, das Heldentaten und tolle Sachen zeigt, aber der Maler hat eben wirklich die Geschichte des Landes beschrieben und es ist ihm richtig gut gelungen.

Wir waren noch in verschiedenen Büros und haben mit Leuten gesprochen und paar andre Sachen gemacht, dann sind wir zum „Supreme Court of Missouri“ (Oberster Gerichtshof von Missouri oder so) gegangen, was sich gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet, wo wir eine weitere Führung hatten und das war kuhl, wir haben so viele Fragen gestellt und der Mensch konnte die natürlich auch alle beantworten, es war echt interessant. Eigentlich gibt es dort nicht so viel zu sehen: Die Wände sind voll mit Portraits von früheren Richtern, es gibt eine Bibliothek mit so vielen Büchern, die nur nach trockenem Grundwissen über Gesetze aussehen, wie ich es noch nie gesehen hab und der Saal, wo die Gerichtsverhandlungen stattfinden. Der ist nicht allzu groß; jeder Teilbereich eines Staates hat sein eigenes Gericht und bei den Verhandlungen, die wirklich bis hierher kommen, werden keine Zeugen mehr verhört. Alle Verhandlungen sind offen und Leute können hingehen und zuhören, aber das machen für gewöhnlich nicht so viele. Vorne sitzen die sieben Richter(innen) und am Ende einer Verhandlung wird abgestimmt und so der Fall entschieden.

Das war ne ganze Menge neues Wissen für die paar Stunden und wir waren am Verhungern, sodass wir es kaum erwarten konnten, zu dem Italiener zu kommen, bei dem wir Mittag essen wollten. Das Buffet war nicht riesig, aber es war so lecker, eigentlich wollte danach jeder nur einen Mittagsschlaf halten. Daraus wurde natürlich nichts: wir sind zu so nem kleinen Museum und haben so 15 Minuten lang einen Kurzfilm über Missouris Anfänge angeschaut und sind dann zu so nem Haus, wo früher mal richtig reiche, adlige Leute gewohnt hatten. Und das beste zum Schluss: Central Diary, the best ice cream in Jeff!! Mom, Jeane und ich waren schon einmal dort gewesen, ist aber schon ne Weile her. Die haben so 40 Eissorten und wir alle durften uns 2 Sorten auf Teris Rechnung aussuchen … ich liebe ja eigentlich die typisch amerikanischen Sorten (Oreo, Chocolate Chip Cookie Teig, &hellip aber ich brauchte was Frisches, also hab ich Limette und Himbeere genommen. Auf dem Heimweg waren wir alle ziemlich kaputt, aber wir hatten so viel Spaß und wir freuen uns schon riesig auf das nächste große Treffen für uns alle, was in St. Louis stattfinden wird.

 

Worauf ich mich allerdings erstmal noch viel mehr freue ist nächstes Wochenende, denn da geht es nach Las Vegas. Ken und Regina laden uns (Mom, Sarah, Jeane und mich) ein, mieten ein gigantisch Auto mit 15 Sitzen (also genügend Platz für alle), kümmern sich um Verpflegung auf der Fahrt, Unterkunft, Karten für das „Phantom der Oper“, Dinge, die wir sonst noch so machen … Wieso eigentlich Wochenende, wir kommen erst Donnerstagabend wieder heim! Auf dem hinweg werden wir uns den größten Damm der USA anschauen und als ob das ganze Las Vegas Erlebnis nicht schon genug wäre, machen wir auf dem Rückweg noch beim Grand Canyon halt! Und das einzige, wofür wir eigentlich selber bezahlen müssen, ist – ist ja klar – Mitbringsel und Andenken und Essen, bis auf einen Abend, wenn wir zum Phantom der Oper gehen und dafür alle ganz schick aussehen werden, laden und Ken und Regina noch in ein 5-Sterne-Restaurant ein. Das wird so genial, Jeane und ich laufen nur noch herum und singen „Noch 3 Tage, noch 3 Tage!“ =)

13.3.08 18:55
 


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